Donnerstag, 31. Dezember 2015

Vermessungsgeschichte 19: Interaktive Karten

Dank Interaktivität und Demokratisierung kann also heutzutage jeder Kartograph werden: Los gehts!

Hier ein Beispiel von vielen für Neulinge: Online mapping for beginners

Wer gerne Amerika einbinden möchte, lernt hier: Amerika in Excel

Graphic Tutorials mit HTML Javascript PHP erlaubt die Staaten der Welt individuell einzufärben, mit Polygonen zu arbeiten und weitere Spielereien: How to do
Tutorials (Quelle Bildchirmfoto Interactive World Map)
Natürlich ist auch Google maps interagierend: Google Interactive Map Tutorial

Ein bisschen Werbung darf sich auch mal hierher verirren, danach können wir wieder sehr ausführlich werden mit einer dreistündigen Vorlesung Making interactive maps for the web
GPS hat in den letzten Jahren die Welt erobert, doch wie funktioniert das eigentlich?
Einige Antworten finden sich im Video Wie funktioniert das GPS-System. Wers gerne englisch und technisch hat, schaut dieses Video über GPS RTK Surveying Workshop
Wandtafel (Quelle: Bildschirmfoto von GPS RTK Surveying Workshop
Auch die NASA hat riesige Datenbanken.




Dienstag, 29. Dezember 2015

Vermessungsgeschichte 18: Die Demokratisierung der Kartographie?

Zur Demokratisiserung gehört natürlich, dass wir User zu Anwendern oder Produzenten werden können: im folgenden Video erfahren wir, wie die diversen Einstellungen GoogleView verbessern und mit Sketchup Modelle gebaut werden können.

Die neuen digitalen Methoden ermöglichen, dass jeder sein eigene Mapper werden kann: Online Mapping for Beginners (geht ab 15 min 25 s los... geht eher träge weiter...) Noch ausführlicher wird's hier über 3 Stunden Making interactive maps for the web

Es heisst, dass wer die Karten besitzt, auch die Macht hat. Werden wir nun wirklich zu den Mächtigen? Offene Karten geht im Video anhand des französischen Géoportail  dieser Frage nach. Sehr spannend ist im Géoportail die Möglichkeit, unterschiedlichste Karten übereinander zu legen (= Georeferenzierung). Das Gratis-Portal soll in der Raumplanung, in der Gemeindeplanung, aber auch bei Wanderwegfreaks oder im Unterricht angewandt werden.
(Bildschrimfoto ab Video: Géoportail)




Sonntag, 27. Dezember 2015

Aktuell Unerwünschte Karten

Auf PrawdaTV finden sich Hinweise zu speziellen, alten Landkarten, die nicht ins konventionelle historische Weltbild passen.
Ausschnitt aus Daschkastein (Quelle Bildschirmfoto ab Link)

Freitag, 25. Dezember 2015

Vermessungsgeschichte 17: Animierte Karten

Animierte Karten erfeuen sich grosser Beliebtheit, zum Beispiel zeigt die das Video animated map of history das Aufkommen der Kulturen auf der Erde über 4 Jahrtausende.
Oder 25 Karten verändern die Weltsicht, weil wir endlich wissen, wo überall McDonald's ist, welche wenigen Länder England nie erobert hat oder welche Plätze am häufigsten fotografiert werden auf der Welt.
Das Video World Battleground fasst 1000 Jahre Kriege in 5 Minuten zusammen: ein trauriges Crescendo.
Dagegen stemmen sich die ja eigentlich die Religionen, welche natürlich in den letzten 5000 Jahren auch nicht alle am gleichen Ort verharrten. Das Video zeigt eindrücklich Ausdehnungen und Rückzugsbewegungen.
Zukünftiger und gleichzeitig zünftiger sind die Voraussichten zur Plattentektonik:
Europa und Afrika in 100 Millionen Jahren (Quelle: Video Earth 100 Million Years from now)
Auch die Vorhersagen Sea Level increase 80 m verheissen wenig Gutes.
In Charting Culture animierte Dr. Maximilian Schich die grossen Migrationsbewegungen der Weltgeschichte.
Zum Schluss noch was für die Freunde der Eisenbahnentwicklung.





Mittwoch, 23. Dezember 2015

Pyromane Grenzziehung

Adrian Hossli beendete die Vernissage der Vermessungsausstellung mit einem grenzziehenden Feuerwerk.
Fliegendruck hat sein Video davon mit Musik ab Vorabend unterlegt: Marco Käppeli und Dominique Starck :

Post-Pyromane Grenze

Montag, 21. Dezember 2015

Aktuell Noch ein kurioser Atlas

Den Link erhielten wir von Fliegendruck zugestellt.
Time travel ist eine Karte von 1914 aus dem Atlas An Atlas of Economic Geography von John G. Bartholomew. Neben Gummivorkommenkarten, Reisvorkommen etc. ist auch eine Karte dabei, die aufzeigt, wie lange es von London aus dauert, in die entsprechenden Gebiete zu reisen:
Unterschiedliche Farben - unterschiedliche Reisetage ab London (Quelle Bildschirmfoto ab Link)
Hier noch die Skala:

Freitag, 18. Dezember 2015

Vermessungsgeschichte16: The War Atlas

Michael Kidron aus Südafrika war ein internationaler Sozialistenführer, Autor und Kartograph.
Ronald Segal stammt ebenfalls aus Südafrika, sein Porträt im theguardian und in strengerer Darstellung bei Spartacus educational.  Er unterstützte die Antiaparheidsbewegung.

Zusammen schufen sie verschiedene Atlanten:
Zuerst The State of the World zu Deutsch Hunger und Waffen. Ein politischer Weltatlas zu den Krisen der 80er Jahre.
Dieser Atlas -antikapitalistisches Manifest und geographische Karten in einem- zeigt Ungleichheiten dieser Welt auf. Karten zu Gewerkschaftsmitgliedern, zur staatlichen Zensur oder auch Fettleibigkeit ergänzen sich zu einer neuartigen Weltsicht.
Im  War Atlas geht es um Kriege und Waffen seit 1945. Weiter schufen sie den Atlas of Food, The Atlas of Water und The Tobacco Atlas.
Eine modernere Version eines Foodatlas fanden wir hier: anderer Foodatlas, ein Guerillaprojekt auf Kickstarter...
Karte mit der relativen Grösse der Bevölkerung (Quelle: Worldmapper)
Anbei noch zwei Artikel zu anderen Formen von Karten, welche allzu menschliche Zusammenhänge aufzeigen:
Danny Dorling und Anna Barford über Humanising Geography und 'verzerrte Karten' beim Worldmapper-Project

In  Kartographien der Macht kommen die Umbrüche in der Kartographie zur Sprache, Real-Time-Mapping und die Demokratisierung durch das Individual mapping. Es folgt das Verhältnis zum Staat, zur Macht, vom militärischen Komplex zur Wirtschaft bis zum Countermapping,


Dienstag, 15. Dezember 2015

Charlote Kons Traritralalatra die Post ist nicht da...

Charlotte Kons konnte kurzfristig nicht wie geplant anreisen um ihre Arbeit vorzustellen. Also wagten wir wieder einmal den Versuch der Postzustellung.

Anbei der erste Kommentar Charlottes, nachdem sie das Paket aufgeben wollte:
"Ah!...sie möchten etwas in die Schweiz verschicken? Dazu müssen sie für jedes einzelne Teil, was sie da verschicken wollen eine Ursprungserklärung abgeben. Es ist aussereuropäisches Ausland."
"Eine...was?"
"Ursprungserklärung."
"Was ist das genau?"
"Naja, wenn sie sagen, dass sie Papier, Pappe, Bleistifte ...und was sagten sie noch einmal???... verschicken wollen...dann müssen sie für jedes dieser Teile das genau Herstellungsland und den Produzenten angeben!"
"Für die Pappe die ich bei BOESNER gekauft habe? BOESNER reicht da nicht aus?"
"Ja..."
"Und das Papier, dass ich vor drei Jahren...- ich weiß nicht mehr, wo ich es gekauft habe...?"
"Ja...dafür auch...und eben auch für den Rest!"
"Für die Bleistifte von STAEDLER? Von Herlitz? Für den Spitzer von...von was ist der eigentlich??"
"Einen was? EINEN ANSPITZER? Ist der aus Metall?"
"Ja...so ein kleiner Doppelspitzer. Warum fragen sie?"
"Moment einmal, ich muß nachsehen, ob der separat unter Gefahrengut fallen könnte..."
"Ja...gut. Ich warte gerne."
..........
"Ja....Hallo?...Nein...er ist kein Gefahrengut, aber für den müssen sie auch die Ursprungserklärung abgeben!"

Bei BOESNER hat man mir- nach ungläubigem Staunen- dann Finnland als Pappenhersteller nennen können. Herlitz produziert die Bleistifte in Fernost (schüttelndes Gelächter in allen vier erreichten Fachbereichen in Berlin), bei STAEDLER steht MadeInGermany drauf...naja ...und die Spitzerfirma aus Berlin hat mich an ihre Zollabteilung weitergeleitet, um herauszufinden, dass dieser in Germany gemadet wird ("Sie sind sich sicher, dass es sich nicht um einen Scherz handelt bei ihnen???").
Ich hoffe mal, dass das gut ausgeht und der Schweizer Zoll meinen Ursprungsoffenbahrungseid so annimmt, wie ich ihn beigefügt habe.

Zur Sicherheit mailte mir Charlotte dann Bildmaterial und Konzept ihres Ausstellungsbeitrages:

Doch was passierte nun mit dem Paket, welches nun für erstaunliche 160 Euro express mit Zustellgarantie nach Noseland unterwegs düste?

Am Donnerstag herrschte noch eitel Aufbruchstimmung, welche am Freitagmittag abrupt gebremst wurde (facebook Eintrag vom 4. Dezember):
Charlotte Kons Soso...Aha...es sollte eigentlich bis heute Abend in der Schweiz in Noseland sein...und jetzt gerade sehe ich das es heute Mittag in einem Zollamt anfing zu warten... Vielleicht doch einer der Bleistifte statt aus Germany oder aus Indonesien aus... China?

Nach ersten telefonischen Abklärungen hiess es immer noch, dass das Paket an diesem Tag ankommen könne, was dann allerdings nicht geschah! Am Samstag postete Charlotte folgendes auf facebook:
Charlotte Kons "Gute Tag- ich habe eine Frage zu meinem Paket. Ich gebe ihnen die Frachtnummer- vielleicht können sie mir ja weiterhelfen?" "Sicherlich...gerne. Einen Moment bitte...ihr Paket liegt im Zollamt Basel. Da sie jedoch Standard gebucht haben...." "MOMENT!? STANDARD? FÜR 160 Euro???" "Nein, eigentlich haben sie Recht. Für diesen Preis haben sie nicht Standard gebucht, sondern Extraexpress. Das verstehe ich aber jetzt nicht. Hier steht Standard. Dann kann da nur ein Fehler unterlaufen sein. Kann ich sie zurückrufen bitte?" "Ja. Gerne. Ich hoffe, es läßt sich noch etwas bewegen!" "Oh...Nein, da kann ich leider nichts ändern. Auf das schweizer Zollamt habe ich keinen Zugriff. Eventuell erreicht der Empfänger über den Kundendienst der Schweiz noch etwas. Das tut mir wirklich leid. Ich melde mich umgehend dazu bei ihnen!!"


Da ich ja der Empfänger war, rief ich noch den Kundendienst dieser sensationellen Postdienstleistungsgesellschaft an. Eine freundliche Telefonbeantworterstimme erklärte mir, dass leider Wochenende und somit niemand erreichbar sei.
Schlusskommentar Charlotte auf facebook:
Charlotte Kons Und was macht mein Paket, das zielsicher und zeitgleich mit Beginn der Ausstellung in Noseland sein sollte??? Es wird gegen seinen und meinen Willen von der schweizer Zollbehörde umsorgt, bekümmert, bedacht und... in Sicherheit aufbewahrt. SICHER IST DAS!

Nun war alles klar, ich musste die digitalen Ersatzstücke in der Galerie ausstellen:
Das Originalpaket erreichte dann Noseland im Laufe des Dienstagmorgens... zwei Tage nach der Vernissage. Die durch die Zuschauer zu gestaltenden Landkarten, metallischer Spitzer (!) plus Stifte liegen bereit:











Sonntag, 13. Dezember 2015

Vernissage Vermessungsausstellung

Am Sonntag wurde die Vermessungsausstellung auf Noseland eröffnet:

Oliver Krähenbühls Geschichte fand ihren Platz:

Die neue NNZ konnte verteilt werden:

 

Das übliche Übel am Zoll konnte wieder einmal nur dokumentiert werden:
Charlotte Kons
Alle Kunstschutzmassnahmen sind genauestens instruiert und unmittelbar umgesetzt worden:
Guiseppe
Anbei ein Video der Performances anlässlich der Vernissage: Piotr Damasiewicz, Martin Gut, Werner Schmid, Fliegendruck, Tizian Baldinger, Adrian Hossli u.a.:

Dank an die spontanen Kameraleute

Freitag, 11. Dezember 2015

Aktuell Wie in Amerika geflucht wird

Mapping the united swears of America zeigt aufgrund der Auswertung von Metadaten, wie oft bestimmte Fluchwörter in Amerika gebraucht werden! Blau ist jeweils weniger denn Orange. Man sieht deutlich, wie gewisse Flüche sehr regional dominieren:
Beispiel Damn, vor allem im Südwesten verbreitet (Quelle Bildschirmfoto ab Link)
Danke Chris Roth fürs Posten auf Facebook!

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Vorabend 3: Der musikalische Teil

Nach der Pause eröffneten Marco Käppeli am Hang und Dominique Starck an der Gitarre mit relaxedem Sound:
Tizian Baldinger zeigte eine seiner kruden Performances:
Piotr Damasiwicz aus Polen reizte die Klangmöglichkeiten seiner Trompete zu elektronischen Klängen von Gerard Lebik aus:
Zum Schluss gab es traditionellerweise einen Jam: Piotr, Marco und Dominique improvisierten wunderbar:
Im Video eine kurze Zusammenfassung:


Mittwoch, 9. Dezember 2015

Vorabend 2: Der Blurp

Markus Kirchhofer las am Vorabend eine seiner Geschichten aus seinem neuen Buch 'Der Stachel', das im Januar im Knapp-Verlag erscheint:
 
Die Ausgangspunkte der Geschichten sind Idyllen nostalgischer Vergangenheit oder heiterer Gegenwart: auf der Seegfrörni, am Skirennen, in der Badi, der Käserei oder der Projektwoche. Über diese friedlichen Orte bricht Unheil herein: ein Gletscherabbruch, ein Amoklauf, eine Entlassung, ein Verkehrs- oder Arbeitsunfall.
Markus Kirchhofer erzählt seine geschickt orchestrierten Geschichten in einer einfach gehaltenen, bildstarken, poetischen Sprache. Sie verrät den versierten Lyriker. (Auszug Buchvorschau)
Allerdings hat Kirchhofer die Geschichte betreffs der Lokalitäten auf Noseland angepasst.
Anbei die ganze Geschichte (mit Erlaubnis des Autors):

Der Blurp                                                                                

Der Blurp kam hinunter bis nach Noseland. Er kroch über die Grenze und bildete einen kaffeebraunen Torso aus Dreck, Lehm und Wasser. Aus dem Hals schwoll eine Ausstülpung. Als sie platzte, ergoss sich frisches Quellwasser auf die Wiese.

Zwei Tage zuvor, an einem Sonntag, war ich mit dem Hund unterwegs, oberhalb des Sandplattechopfs. Ich ging an den grossen Findlingen vorbei und wollte über das Bächlein. Aber der Hund wollte nicht hinüberspringen, ums Verrecken nicht. Er winselte und bellte wie am Spiess. Da dachte ich schon, dass der Blurp unter unseren Füssen war, nach all dem Regen in den letzten Tagen. Im Mondschein der folgenden Nacht wollten unsere Nachbarn gesehen haben, dass sich die Föhren bewegten, neben der Abbruchstelle von 1806. Das sagten sie uns aber erst, als der Blurp schon in Noseland unten war.

Am Montag regnete es weiter, andauernd. Wir blieben im Haus und in der Scheune. Nach der vielen Erntearbeit draussen gab es drinnen genug zu tun. In der Nacht von Montag auf Dienstag hörten die Nachbarn einen Knall, der ihr ganzes Haus erwadelte. Mein Mann und ich hörten nichts, wir schliefen wie die Murmeltiere.

Am Dienstag regnete es weiter. Gegen Mittag blickten wir hoch zur alten Abbruchstelle. Wir sahen, wie der Blurp gleich daneben eine neue Bruchstelle aufriss. Wir rannten zu einem sicheren Felsvorsprung. Der Schlipf kam näher. Zu unseren Füssen floss unser Bannwald vorbei, ganz langsam. Felsen und Baumstämme wurden in die zähflüssige Masse hineingeknetet, bäumten sich auf, rieben sich knackend und polternd aneinander. Der Blurp riss Steine, Kies und Dreck mit. Da und dort spuckte er Wasserfontänen heraus. Dann tauchte er wieder ab.

Ich eilte ins Haus zurück und telefonierte der Gemeindekanzlei. Die Feuerwehr sperrte die Zufahrtsstrasse zu unserem Haus. Auch ein Geologe kam und erklärte:  "Sie leben südlich einer Hauptüberschiebung in der Erdkruste. Weiter südlich beginnt der ultrahelvetische Sandstein." Der Berg, an dem unsere Familie seit Generationen lebt, sei "subalpine Molasse, bei der Alpenfaltung aufgeschoben." Links und rechts unseres Heimets hätten sich seit der letzten Eiszeit bereits Bergstürze ereignet, der letzte grössere 1806. "Es ist eine Frage der Zeit, bis Ihnen der Boden unter den Füssen wegbricht, erdgeschichtlich gesehen." Seit Menschengedenken leben wir hier am sonnigen Bord und zirpen wie die Feldgrillen. Vom Blurp unterspült, kann unsere Grasnarbe jederzeit abrutschen. "Mit dem Bergsturz von 1806 ist der gegenwärtige Erdrutsch nicht zu vergleichen, aber Sie sollten unbedingt für eine Weile weg, sicherheitshalber." Ich packte einen Rucksack mit dem Nötigsten: Familienbüchlein, Testament, Hochzeitsurkunde, AHV- und Versicherungsausweis. Dazu eine Zahnbürste, Zahnpasta, ein Frotteetuch, das Schuttbuch von 1806 und den Holzschuh mit den zwei Lederriemen.

Mein Grossvater hatte mir erzählt, dass das Schuttbuch ein Jahr nach dem Felssturz erschienen war. Den Erlös des Buchverkaufs erhielten die Überlebenden des Bergsturzes. Zwei davon waren Vorfahren von mir: Meine Urururururgrossmutter und ihr Säugling. Jede der 457 verschütteten Personen, die hier wohnten oder auf der Durchreise waren, ist im Schuttbuch erwähnt. Mit Namen, Alter, Familienstand und allem, hatte Grossvater erzählt.

Der Mann meiner Vorfahrin war während des Sommers als Senn auf dem Haberberg gewesen. Es war bereits September und das Wetter seit Wochen schlecht. So machte sich mein Urahn mit seinem Vieh auf den Rückweg von der Alp. Als er bei der Ruederche anlangte, riss der Blurp Nagelfluhbänke vom Schärhamme. Der Berg raste zu Tal, in die Ruederche und sogar den Gegenhang zum Haberberg empor. Der Bergsturz hatte meinen Vorfahr in den Tod gezerrt, mitsamt seiner Herde.

Seine Frau im Bergheimetli hatte in den Tagen zuvor gehört, wie Baumwurzeln hinter ihrem Haus gekracht hatten. Im prasselnden Regen stiess der Blurp Findlinge ins Tal, drückte Steine aus der Erde und spaltete Wiesen. Als meine Vorfahrin in der Küche Milchbrei für ihr Kind kochte, brüllte der Blurp drei Mal, tief aus dem Gestein. Die Frau holte ihr Kind aus der Wiege und floh mit ihm aus dem Haus. Kaum war sie draussen, riss der Blurp das Haus in die Tiefe. Der ganze Hang rutschte zu ihren Füssen weg. Als das Tosen vorbei war, eilte sie dem Bergsturz hinterher, um ihren Mann und seine Herde zu suchen. Auf dem Schuttkegel flossen bereits neue Bäche. Die Hänge des Habergergs waren bedeckt mit Heu aus den Schobern und Federn aus den Betten der Verschütteten. Tage später wurde am Ufer der Ruederche der Holzschuh mit den zwei Lederriemen gefunden. Er wurde meiner Urururururgrossmutter gebracht. Sie hatte ihn behalten, obwohl sie nicht mit Sicherheit hatte sagen können, dass er ihrem Mann gehört hatte.

Mein Mann ging zum Bauern hinter dem Bannwald und fragte: "Können wir dir unser Vieh bringen, vorübergehend?". Es ging nicht, also blieben wir mit dem Vieh auf dem Hof. Der Gemeindeschreiber forderte uns am Telefon nochmals auf, unser Haus zu verlassen. Wir blieben. Zum Glück hörte der Regen im Laufe des Dienstags auf. Der Blurp lag erschöpft auf Noseland. Vorsichtig einen Fuss vor den anderen setzend, ging ich mit dem Hund bergauf. Der Blurp hatte einen Teil unseres Waldes mitgerissen, ein Wasserreservoir verschoben und einen neuen See gebildet. Die Holzbrücke, die mein Mann zwei Jahre zuvor gebaut hatte, war um 90 Grad gedreht, das Bächlein darunter versiegt.

Am Mittwoch kamen die ersten Neugierigen. Zwei kamen barfuss und verdreckt bis zum Hintern in unsere Bergwirtschaft. Sie waren durch den Schlamm des zum Stillstand gekommenen Schlipfs gewatet und hatten ihre Stiefel nicht mehr aus dem Dreck ziehen können. Das Gebiet des Murgangs sah aus wie eine Mondlandschaft. Der Regen, der Schnee und der Bach trugen sie langsam ab. Im nächsten Jahr bildeten sich spitze Hügel, die aussahen wie Termitenbauten, mit einem Stein zuoberst. Die Feuerwehr, das Militär und der Zivilschutz räumten auf und bauten neue Wanderwege.

Der Rucksack mit den Schriften, dem Schuttbuch, dem Holzschuh und dem Necessaire steht im Schlafzimmer. Seit der Blurp bis nach Noseland kam, bleibt der Rucksack gepackt. Hin und wieder wechsle ich die Zahnbürste und das Frotteetuch aus.

 

 

Dienstag, 8. Dezember 2015

Vorabend in der Garage: Deutsche Lieder, der Blurp und der Feuerdrache

Im ersten Set des Vorabends in der Garage sang Amrei Wittwer ihre selbstkomponierten deutschen Balladen.

Der Autor und Sportminister Noselands Markus Kirchhofer las die Geschichte vom Blurp, der Noseland bedrohte:
Und Adrian Hossli liess den Feuerdrachen im Rahmen seiner Pyromanischen Vermessungen durch die Stadt rauschen:
 Im Video eine kurze Zusammenfassung:


Sonntag, 6. Dezember 2015

Mario Purkathofer Flugversuch

Rechtzeitig zur Vernissage erreicht und das Video 'Flugversuch' von Mario Purkathofer, seine Auswertung der Filmmaterialien vom Flugtag:
 

Samstag, 5. Dezember 2015

Freitag, 4. Dezember 2015

Aktuell Weltkarte zu Penisgrössen

Auf Target Map findet sich die Weltkarte der Penisgrössen in verschiedenen Kategorien!
(Quelle Bildschirmfoto ab Targetmap)
Dank an Michal von Arx fürs Teilen auf Facebook.

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Aktuell: Gegen den Überwachungswahn

kann/muss man sich schützen...
Der Artikel Eine versteckte Karte in eurem I-Phone zeigt, wo ihr schon überall wart erzählt von der versteckten Sammelwut Apples, und fast noch wichtiger, wie man die versteckten Dienste deaktiviert (und alte Daten bei Bedarf löscht)!

Wie wir kartographiert werden (Quelle: Artikel)
Wenn wir uns nun privat ein wenig schützen konnten, so bleibt noch das öffentliche Interesse: in der Schweiz zum Beispiel liesse sich das Referendum zum Nachrichtendienstgesetz ergreifen!
Der journalistischen Balance wegen noch ein Artikel auf Watson mit anderer Meinung.









Mittwoch, 2. Dezember 2015

Rückblick Schlendriane

Hier noch wie versprochen das Video zur Performance an der Vernissage vom 22. November:
Und der fertige Schlendrian:
Detail
Der Schlendrian wird auch noch in der Gruppenausstellung zu sehen sein! (Spuren der Meridiane vermutlich auch...)
 siehe auch Rückblick Schlendriane
und Letzte Bilder aus der Luft



Dienstag, 1. Dezember 2015

Aktuell Begehbare Weltkarte

Verdenskortet findet sich in Dänemark und stellt eine Weltkarte dar, die erwandert werden kann, und zwar in wenigen Minuten: Soren Poulsen arbeitete 25 Jahre -praktisch von Hand- an seiner Lebensaufgabe, die Welt auf 45 mal 90 Metern in einen See zu legen:
Afrika betreten... (Quelle Bildschirmfoto ab Link)
Etwas gigantischer sind die Pläne in Dubai, wo der Österreicher Kleindienst auf gigantischen Sandinseln die Welt neu erschafft, schliesslich hat man Erfahrungen mit künstlichen Inseln wie den Palm Islands.
Weiter draussen entstehen jetzt eben die sieben Kontinente. Auf der Insel Europa soll es dereinst künstlich regnen und in der neuen Schweiz sogar schneien! Siehe dazu auch das Video Dubai - Das ¨Übermorgenland ab 21.42 min.

Montag, 30. November 2015

Vorschau Vermessungsausstellung auf Noseland

Am 6. Dezember um 14.00 beginnt die Vernissage der diesjährigen Themenausstellung 'Vermessung' an der Ruederstrasse 44 in Schöftland! 

Über 20 Künstler und Künstlerinnen aus Polen, Deutschland, der Schweiz und Noseland interpretieren ihre künstlerische Sicht der Vermessung Noselands, der Welt, der Gesellschaft -die KünstlerInnen sind aufgefordert ihren Fokus selber zu setzen:

Vermessung im künstlerischen Sinn betrifft in diesem Projekt explizit den Raum Noseland innerhalb der gegebenen Landschaftsstruktur und unabdingbar seine nähere Umgebung. Die Perspektivenwahl durch die KünstlerInnen wird entscheidend sein für die Intentionen
- und Interpretationen der Vermessung sowie die Zerlegung des Raumes in seine interdisziplinären
Schichten und somit der Schaffung eines neuen Bewusstseins der Topographie.
- Bedienen wir uns der Vermessung, so tun wir es bewusst als Transformation von Landschaft ins
Bewusstsein. Zum Bewusstsein gehört unmittelbar die Sprache: nehmen wir vermessen als das gemäss Wahrig ‚eigtl. das Mass seiner Kräfte zu hoch ansetzen’, beziehen wir uns auf das Vermessen eines Bauplatzes, eines Feldes, einer Topographie, meinen wir das falsch messen, ist gar das Unangemessene gemeint.
- Wir schaffen aus künstlerischer Sicht eine Kunstgeographie der Vermessung, wir hinterfragen unsere Fremd- und Selbstbilder von Landschaft, wir polarisieren Stereotype und leben Realität.

(Zitat aus der Ausschreibung)

Dieses Jahr startet die Vernissage erstmals in der Galerie. Der Glühwein wird anschliessend erwandert! Bitte Öffentlichen Verkehr benutzen und Tasse selber mitbringen!

Künstlerliste:
Tizian Baldinger & Géraldine Honauer, Daniela de Maddelena
Chiara Fiorini & Dominique Starck, Fliegendruck, Giuseppe (GB),
Adrian Hossli, Heidi Kämpfer & Caroline Streuli, Kat 08, Wojtek Kielar (P)
Charlotte Kons (D), Oliver Krähenbühl, Nicolas Lüscher, Toni Möri,
Werner Schmid, Roger Wirz & Thomas Hüsler, Amrei Wittwer
Zentrumskünstler: Martin Gut

Vermessungstechnik des Noseländischen Vermessungsamtes im Einsatz an der südöstlichen Landesecke
Jahresprogramm
Anreiseplan 


http://noseland.ch/

Samstag, 28. November 2015

Vorschau Vorabend in der Garage am 5. Dezember '15

Auch dieses Jahr gibt es verschiedene Acts zur '1. Internationalen Vermessungsausstellung auf Noseland', und zwar am Vorabend, 5. Dezember ab 20.30, in der Garage am Kirchplatz in Aarau.

Es liest der bekannte Autor Markus Kirchhofer aus seinen Kurztexten, Dominicque Starck tritt mit Specialguest Marco Käppeli auf, Adrian Hossli und Tizian Baldinger zeigen Performances. Amrei Wittwer spielt selbst komponierte deutsche Popsongs.
Aus Polen ist eine weitere Musikfraktion angekündigt! Gerard Lebik sollte es diesmal schaffen (er blieb vor Jahren mit Zahnschmerzen zurück) und Piotr Damasiewicz wird uns erneut beehren.
Piotr in der Aarauer Pfalz Dezember 2014
Hier ein Videolink zu Gerard Lebik & Piotr Damasiewicz

Donnerstag, 26. November 2015

Aktuell Bildungsabbau

Kleine nette Karte über den Bildungsabbau in den Kantonen, erschienen im Tagesanzeiger.

Oliver Krähenbühl 2: Fernvermessung


We slow down the satellite a little bit for you
Anlässlich der Vernissage wollte ich mit den anwesenden Personen, auf dem Gelände von Noseland eine künstliche Signatur, ein Muster auszulegen und dieses mit dem Satelliten Geo-Eye1, der die Region um Noseland regelmässig aufnimmt, zu fotografieren. Die künstlerische Signatur würde auf der Satellitenaufnahme sichtbar sein. Das Setting hat ein absurdes Moment. Die Signatur würde für die Kamera positioniert (posiert), die Kamera ist jedoch nie sichtbar. Wir müssen uns darauf verlassen (glauben), dass der Satellit zum vereinbarten Zeitpunkt da ist. Die Aktion hat so auch etwas von einem Ritual für eine unsichtbare Macht am Himmel.

Die Signatur wird nun am 23.November auf Noseland ausliegen und mit einer Drohne fotografiert.
Seit 2009 ist es möglich, Satellitenfotos mit einer Auflösung von 50cm pro Pixel für kommerzielle Zwecke zu erwerben. Verschiedene Firmen bieten solche Fotos an. Da aber für das entsprechende Gebiet um Noseland nur Geo-Eye1 die notwendigen Spezifikationen erfüllt, führten alle Anfragen bei den unterschiedlichen Anbietern schlussendlich zur selben Quelle.
Geo-Eye1 bewegt sich auf einer sonnen synchronen (sun-synchronous) Umlaufbahn, auf der Höhe zwischen 681 und 770km. Alle 8 Tage, um 10:30Uhr, nimmt dieser Satellit dasselbe Gebiet über der Schweiz, mit zwei Kameras im Bereich “normal Farben“ (RGB) auf.

Der Preis für ein solches Foto wird pro km2 berechnet und die minimale Abnahmemenge beträgt 100 km2 bei einer Streifenbreite von 15km, also rund 10000US$. For the minimum order size of 100km² this would sum up to 9.350 $US net.” 
Ich hätte mir zugetraut, dieses spezielles Projekt mit Crowdfunding realisieren zu können. Will ich jedoch das (mein) Foto oder Ausschnitte davon als Kunstobjekt verkaufen, kommen noch sehr hohe Lizenzgebühren
dazu: Hallo Oliver, ich habe mittlerweile Rückmeldung zu Ihrer Anfrage erhalten. Das Crowdfunding wäre grundsätzlich möglich.
 

Möchten Sie Ihr Kunstwerk allerdings verkaufen, fiele ein zusätzlicher Medien-Aufschlag von 200% an. Das Single-Shot Tasking über die Mindestfläche von 100km² käme somit auf 28.050 $US Netto.“ 

Ein Betrag in dieser Höhe steht jedoch in keinem Verhältnis zu einem einzelnen Foto, auch wenn es von einem Satelliten auf Bestellung gemacht würde. „Yes we can do it. We slow down the satellite a little bit for you.  
Damit ein Schriftzug mit der Grösse von 12px auf dem Foto sichtbar ist, müsste jeder Pixel des Buchstabens 50x50cm sein, was einer realen Grösse von 64 Metern für NOSELAND entspricht. 

 p.s. Anmerkung der Redaktion: Die Aktion wurde nun mit einer Mikrotechnik (Drohne) durchgeführt, wie sie eben der Micronation Noseland entspricht. Auch das Budget bewegt sich nun in einem vernünftigen Rahmen: 1 Bier plus Speise!
Wir berichten mehr anlässlich der Vermessungsausstellung, Vernissage am Sonntag 6. Dezember um 14 Uhr, Chill & Grill am Sonntag 20. Dezember um 14 Uhr, Finissage am Sonntag 3. Januar um 14 Uhr











Dienstag, 24. November 2015

Letzte Bilder von der Landart aus der Luft

Anlässlich der Kunstaktion von Oliver Krähenbühl war nochmals Marco Rainolter als Drohnenpilot aktiv und beschaffte uns dank dieser Fernvermessungsmethode fantastische Bilder von den Höhenkurven Noselands, die Dominik Lipp & Oliver Ziltener gezogen haben:
Links aussen sind wir:
Und noch eine berauschende Gesamtsicht:




Sonntag, 22. November 2015

Landart-Finisssage: Alles entschlendert!

Heute fand die Finissage des Landartprojektes Meridiane und Schlendriane von Dominik Lipp & Oliver Ziltener statt. Das Wetter bot morgendliche Schneeflocken, mittags Sonnenschein und die Kältezonen im Schatten des Waldes.

Die Meridiane haben das erste Nass überlebt:
Die Schlendriane scheinen ausgeschlendert:
Ein Riesen-Schlendrian bleibt zurück: